„Schweizer“ Bio-Kakao aus dem 
brasilianischen Regenwald






Bereits als Buben kannten sich die beiden Zumiker Marc Nüscheler (geb. 1951) und Roland Müller (geb. 1949). Gemeinsam drückten sie die Schulbank und gemeinsam starteten sie mit Zwanzig ihre erstes Reiseabenteuer, das sie quer durch Südamerika führte. Kurz darauf trennten sich ihre Wege – zumindest geografisch – für eine Weile. Beide zogen aus, um sich fernab der Heimat als Biobauern zu engagieren.
Für Nüscheler war schon früh klar, dass es ihn in die weite Welt hinausziehen würde. Nach Abschluss der Handelsschule folgte die landwirtschaftliche Ausbildung am Strickhof. Am Tropeninstitut Basel vertiefte der heute zweifache Familienvater sein Wissen in tropischer Landwirtschaft, bevor es ihn für vier Jahre nach Afrika verschlug, wo er auf einer Kaffee-Plantage seine Sporen abverdiente. Auf der Suche nach neuen Herausforderungen zog er vor 25 Jahren schliesslich weiter nach Brasilien, wo er sich als Pionier im biologischen Anbau von Kakao sehr bald einen Namen machte. Müller indes absolvierte eine Hochbauzeichnerlehre und arbeitete zuletzt als Partner eines Architekturbüros, bevor ihn seine Abenteuerlust für 15 Jahre in die Toskana zog. Hier gehörte der zweifache Vater zu den Ersten, die den biologisch kontrollierten Anbau von Oliven wagten und dies mit hoher Qualität verbanden.

Besinnung auf Tradition – zum Schutz der Zukunft
Brasilien, lange Zeit einer der grössten Kakao-Produzenten weltweit, litt in den neunziger Jahren schwer unter den Folgen einer Pilzepidemie. Der sogenannte „Hexenbesen“, eingeschleppt aus dem Amazonas, liess die Kakao-Produktion auf einen Fünftel einbrechen, was in Bahia zu schwerwiegenden gesellschaftlichen Folgen führte: Je nach Quelle wird die Zahl der Farmarbeiter, welche in dieser Zeit ihre Anstellung verloren, auf 90'000 bis 180'000 geschätzt. Gleichzeitig verschärften sich die Forderungen nach längst fälligen Massnahmen zum Schutz des Atlantischen Regenwaldes, dessen Abholzung bereits äusserst bedrohliche Ausmasse annahm. Vor diesem Hintergrund suchten staatliche und private Umweltschutzorganisationen nach gangbaren Alternativen. Die Situation war komplex: Zum einen sollten die grossen Sägereien zur Verhinderung der weiteren Abholzung geschlossen und zum anderen neue Einkommensquellen für die Lokalbevölkerung in Bahia gefunden werden. Die Lösung schliesslich hiess CABRUCA. Der Name bezieht sich auf eine traditionelle Anbauart, die in Brasilien bereits vor 200 Jahren gepflegt wurde. Aus Respekt vor der Natur und im Hinblick auf nachfolgende Generationen wurden die Baumriesen im Regenwald früher nicht gefällt. Die Kakao-Bauern schufen lediglich kleine Lichtungen, um ihre Kakao-Pflanzen zu kultivieren. Auf diese Weise wachsen die Sprösslinge in einem intakten Ökosystem heran. Im Unterschied zu Kakao-Pflanzen in riesigen Mono-Kulturen benötigen sie kein künstliches Bewässerungssystem und sind wesentlich resistenter gegen Ungeziefer sowie Krankheitsbefall. Der nahrhafte Regenwaldboden erübrigt zudem das Düngen mit chemischen Mitteln und bietet ausgezeichnete Voraussetzungen für den biologischen Anbau.

Schweizer Know-How gefragt
Auf der Suche nach einem geeigneten Fachmann zur Umsetzung der CABRUCA-Idee wandte sich die Umweltschutzbehörde an Nüscheler, der sich sofort für das Projekt begeistern liess: „Der Rückhalt auf politischer Ebene war gut spürbar und ich sah CABRUCA als Chance, um den biologischen Anbau im grösseren Stil voranzutreiben und so einen Beitrag zum Erhalt dieser einmaligen Landschaft zu leisten.“ Viele der Landarbeiter, die bereits vorher für ihn tätig waren, zogen mit Nüscheler mit. Seine langjährige Erfahrung, sein ungetrübter Enthusiasmus sowie die staatlich und privat finanzierte Starthilfe verhalfen CABRUCA zum Durchbruch. Die Kooperative, deren Vorsitz Nüscheler noch heute inne hat, umfasst mittlerweile 62 Mitglieder und bewirtschaftet gut 3000 Hektaren im Agroforstsystem. Hauptprodukt ist noch immer der Kakao, daneben vertreibt CABRUCA Palmherzen, Trockenfrüchte und Schwarzen Pfeffer.
Bereits Anfang der 90er Jahre besuchte Müller seinen langjährigen Freund mehrmals und begann sich immer mehr für das CABRUCA-Anbausystem zu interessieren: „Brasilien, insbesondere die Landschaft Bahias, gefiel mir ohnehin schon lange und der Gedanke, mit dem Kakao-Anbau nochmals etwas Neues zu wagen, reizte mich sehr.“ So brach Müller seine Zelte in Italien ab und siedelte mit seiner Partnerin nach Brasilien über. Seit bald acht Jahren sind die Nüschelers und Müllers nun Nachbarn. Bereut haben die beiden ihren Entscheid noch nie.
 
Stetige Weiterentwicklung notwendig
Trotz beachtlicher Erfolge haben die beiden Schweizer auch mit Rückschlägen zu kämpfen. Der seit Jahrzehnten dauernde Preiszerfall im Kakao-Geschäft und die ständige Sorge, dass sich der Hexenbesen erneut stark ausbreiten könnte, lassen sie immer wieder nach neuen Wegen suchen. „Es liegt uns sehr am Herzen, die Methode CABRUCA weiterzuentwickeln und das Wissen innerhalb unserer Kooperative zu fördern“, betont Müller. „Gegen den Hexenbesen ist kein Kraut gewachsen. In CABRUCA sehen wir jedoch eine Chance, den resistenteren Bio-Kakao weiterhin anzubauen, den Regenwald in Bahia nachhaltig zu schützen und so auch nachfolgenden Generationen eine Zukunft zu ermöglichen,“ führt der CABRUCA-Präsident aus. Wo immer möglich, setzen sich die beiden dafür ein, um die Lebensbedingungen ihrer Farmarbeiter und deren Familien weiter zu verbessern, um Perspektiven bieten zu können und gegen die Landflucht anzukämpfen. Zustände wie auf den billig produzierenden Plantagen beispielsweise in West-Afrika sind dabei absolut undenkbar.

Klein, aber fein: Langfristige Geschäftsbeziehungen gesucht
Der biologische Kakao-Anbau besteht zu über 90 Prozent aus Handarbeit, was angesichts der steigenden Lebenshaltungskosten in Brasilien hohe Ausgaben zur Folge hat. Die beiden Schweizer sind daher stets auf der Suche nach neuen Absatzmärkten, um ihren Kakao im In- und Ausland zu fairen Bedingungen vertreiben zu können. „Wir operieren in einem Nischenmarkt und unser wichtigstes Argument ist die Qualität unseres Kakaos“, umschreibt Müller das Erfolgsrezept der Kooperative. Die Zukunft von CABRUCA sehen die Schweizer Biobauern darin, weltweit langfristige Beziehungen mit kleineren und mittelständischen Kakao-Verarbeitern einzugehen, um weniger abhängig von Preisschwankungen und Spekulationen im Markt zu sein. „Als Kleinst-Produzent sind wir heute hin und wieder gezwungen, zu einem schlechten Tagespreis zu verkaufen – trotz höchster Qualität unserer Ware. Wir suchten deshalb nach Geschäftspartnern, die bereit sind, unsere Realitäten kennenzulernen und die sich – auch vor Ort – selbst davon überzeugen, dass CABRUCA etwas ganz Besonderes ist.“ Grosskonzerne haben nach Nüschelers Ansicht ihre Qualitätsansprüche in den letzten Jahren nach unten nivelliert. Für sie zählen heute die Mengen, welche zu möglichst günstigen Preisen eingekauft werden können. Auf der anderen Seite nehme die Jagd nach Labels immer ausuferndere Züge an; Bio- und Fairtrade-Zertifikate werden von Grossisten zunehmend als zentrale Verkaufsargumente gehandelt. Damit bekunden die beiden Schweizer je länger je mehr Mühe. Für sie zählt letztlich Authentizität und Glaubwürdigkeit: „Wir sind deshalb auch ständig auf der Suche, wie wir uns weiter differenzieren können.“

Wenn Bahia auf das Glarnerland trifft
Einen Partner nach Wunsch fanden Nüscheler und Müller in der Confiseur Läderach AG, die den CABRUCA-Kakao mit einer gleichnamigen Produktlinie ab sofort exklusiv in der Schweiz vertreibt. Bereits beim ersten Treffen stellten beide Seiten fest, dass in der Glarner Manufaktur eine sehr ähnliche Philosophie gelebt wird wie in der Kooperative in Übersee: Läderach positioniert sich ebenfalls als Nischenanbieter im obersten Qualitätssegment. Persönliches Engagement und Authentizität sind auch im mittelständischen Familienbetrieb keine leeren Worte, sondern Überzeugung. So war CABRUCA für Läderach genauso ein Glücksfall, wie Verwaltungsratspräsident Jürg Läderach ausführt: „Als verantwortungsbewusstes Familienunternehmen ist es sehr wichtig zu wissen, wer unsere Lieferanten sind und unter welchen Bedingungen sie produzieren. Bei CABRUCA können wir 100-prozentig dahinter stehen und darauf vertrauen, dass nicht nur die Produktqualität, sondern auch die ökologischen und sozialen Kriterien stimmen.“



Facts & Figures zu CABRUCA
Genossenschaft von Biobauern im Süden des
   brasilianischen Bundesstaat Bahia (Atlantikregenwaldregion)
Insgesamt 62 Mitglieder, mehr als 1000 involvierte
   Personen Gegründet im Jahr 2000
Auftrag: Förderung der nachhaltigen Landwirtschaft in
   den Betrieben ihrer Mitglieder
Gesamtfläche umfasst mehr als 4000 Hektar, wovon ¾
   im Agroforstsystem bebaut werden
Alle Landwirte und Produkte von CABRUCA sind biozertifiziert
Hauptprodukt: Kakao
Nebenprodukte: Palmherzen, Trockenfrüchte, Schwarzer Pfeffer
Produktionskapazität: 200 Tonnen Kakao pro Jahr




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